„Unwählbar“ – Das nächste Unwort des Jahres?

unwaehlbarImmer wieder stolpere ich über die Aussage „Partei XY ist einfach unwählbar“ oder „(Kandidat) YZ ist unwählbar“. Häufig (wenn auch nicht nur) wird der Begriff von rechtspopulistischer oder rechtsextremer Seite verwendet und gegen alle und alles verwendet, was nicht der eigenen Gesinnung entspricht.

Bekanntlich beeinflusst Sprache auch unser Denken. Und von daher finde ich „unwählbar“ einfach „unsäglich“. „Unwählbar“ ist in einer Demokratie nichts und niemand. Jede Partei und jede/r Kandidat/in sind (sofern die formalen Voraussetzungen erfüllt sind) in einer Demokratie wählbar. Ohne Ausnahme. Ob das politisch Andersdenkenden passt oder nicht.

Wenn ich also sage, eine Partei sei „unwählbar“, dann grenze ich sie buchstäblich aus dem demokratischen Prozess aus. Auch der Satz „Für mich ist die Partei XY unwählbar“ macht es nicht besser. Denn natürlich ist (theoretisch) für jede/n Wähler/in jede Partei wählbar – alle bekommen den gleichen Wahlzettel.

Also formuliere ich lieber: Ich wähle (wenig überraschend) bei der kommenden Bundestagswahl Bündnis 90/Die Grünen, weil diese Partei für mich Politik macht, die über den Tag oder eine Legislaturperiode hinausdenkt und damit auch für künftige Generationen. Sie hat die richtigen Konzepte, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Und sie steht für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wem andere politische Ziele wichtig sind, mag zu anderen Wahlentscheidungen kommen. Wichtig ist: Mit der Aussage „Ich wähle XY“ eröffne ich einen demokratischen Diskurs. Mit „XY ist unwählbar“ beende ich ihn.

Ich wünsche mir einen demokratischen Diskurs. Deshalb werde ich das Wort „unwählbar“ nicht verwenden.

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