Dieser Text basiert in Teilen auf meiner Rede auf der Abschlusskundgebung am Sebalder Platz.

Nie war die Bronzemedaille wichtiger!

Nun also haben die Wählerinnen und Wähler das Wort. Ja, dieser Wahlkampf mag – insbesondere von der Kanzlerin – mit nur wenigen Kontroversen und wenigen Inhalten geführt worden sein. Wir Grünen haben dagegen insbesondere das Thema Klimaschutz – der Überlebensfrage der Menschheit schlechthin – ganz nach vorne gestellt. Und ich halte diese Entscheidung auch absolut für richtig. Denn acht Jahre lang sind die CO2-Emissionen nicht mehr gesunken. Unsere einstige Vorreiterrolle im Klimaschutz haben wir erst unter Schwarz-Gelb im Bund und anschließend unter der Großen Koalition längst verloren.

Hatten wir die richtigen Spitzenkandidat/innen? Absolut! Wer Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir bei ihren TV-Auftritten oder – noch besser – ihren Veranstaltungen, die überwiegend im Dialogformat stattgefunden haben, erlebt hat, kann nur bestätigen: Diese beiden haben Lust auf Gestaltung, Lust auf dringend nötige Veränderungen – und sie strahlen das aus und der Funke springt über. Dies zeigen die Rückmeldungen vor Ort.

Was war mein Anteil an der Kampagne? Womit habe ich versucht, in Nürnberg und Schwabach Akzente zu setzen. Oft musste ich an den alten Satz von Petra Kelly zurückdenken: „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt.“ Denn in diesem Satz steckt nicht nur ganz viel Umweltgedanken, sondern auch ganz viel Gerechtigkeit, nämlich Generationengerechtigkeit.

Und dieser Satz hat für mich, der zwei Wochen vor dem Wahltag zum ersten Mal in seinem Leben Opa geworden ist, auf einmal eine ganz besondere, eine ganz persönliche Bedeutung bekommen. Plötzlich ist die Frage ganz real: In was für einer Welt wächst meine Enkeltochter auf? Wird es eine Welt sein, in der verheerende Tropenstürme und Hurrikans wie wir sie gerade in Houston, im Atlantik, in der Karibik, erleben, zur Tagesordnung werden? In der Millionen und Abermillionen von Menschen wegen der Klimakatastrophe ihre Heimat verlieren und sich hilfesuchend auf den Weg machen müssen? Wird es eine Welt sein, in der der Ungeist des Nationalismus mit all seinen häßlichen Begleiterscheinungen seine Wiederauferstehung feiert?

Oder wird es eine Welt sein, in der die Menschheit begriffen hat, dass sie zusammenarbeiten muss, um die ganz große Klimakatastrophe noch zu verhindern. In der die Industrieländer und insbesondere Deutschland der Verantwortung endlich wieder gerecht werden und mutige Schritte unternehmen. Und in der dieses Deutschland seinen Platz in einem starken Europa hat und wir das erhalten, was uns ausmacht und das uns so stark und erfolgreich gemacht hat: Nämlich, dass Deutschland ein liberales, offenes und tolerantes Land ist und bleibt.

Und natürlich gibt es noch einiges anzupacken und zu verbessern. Nicht nur bei Umwelt- und Klimaschutz. Sondern auch im sozialen Bereich: Viele Menschen sind von Altersarmut bedroht. Für diese Menschen brauchen wir eine Garantierente. Wer 30 Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt hat, soll am Ende nicht mit der Grundsicherung abgespeist werden, sondern deutlich darüber liegen.

Auf der anderen Seite gibt es den Skandal der Kinderarmut in einem reichen Land. Und es gibt den Skandal, dass reiche Eltern über den Kinderfreibetrag im Steuerrecht mehr staatliche Leistung für ihre Kinder bekommen als Eltern mittlerer Einkommen oder gar Eltern im ALG II. Auch diesen Skandal wollen wir endlich ändern mit einer einheitlichen Kindergrundsicherung. Und wir wollen mit neuen Arbeitszeitmodellen und einem weiteren Ausbau guter Kinderbetreuung den verschiedenen Lebensentwürfen von Eltern gerecht werden und allen Kindern gleiche Startchancen ermöglichen.

Es heißt oft: Man muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Wenn aber alle anderen Parteien nur noch die Sorgen der Menschen ansprechen, braucht es uns als die Partei, die die Hoffnungen der Menschen anspricht. Die Hoffnung darauf, dass wir die Erdüberhitzung noch begrenzen können. Hoffnung darauf, dass mehr soziale Gerechtigkeit praktisch möglich ist und Hoffnung darauf, dass wir unsere liberale Gesellschaft erhalten und wir mit unseren Partnern in einem starken Europa konstruktiv zusammenarbeiten.

Vor dieser Entscheidung stehen wir bei dieser Bundestagswahl. Es ist eben noch nicht entschieden wie es mit diesem Land weitergeht. Es mag vielleicht entschieden sein, wer stärkste Fraktion im nächsten Bundestag wird.  Es mag entschieden sein, wer die zweitstärkste Fraktion im Bundestag wird. Aber die Richtung, in die Deutschland sich bewegt, die entscheidet sich mit dem dritten Platz und als jemand, der beruflich im Sportjournalismus tätig ist, sage ich: Nie war es so wichtig, wer am Ende die Bronzemedaille haben wird.

  • Gehen wir zurück in die fünfziger Jahre oder gar in die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück mit der AfD? Oder setzen wir auf die Zukunft und erhalten das, was uns als Deutschland stark gemacht hat, nämlich Vielfalt, Toleranz, Meinungsfreiheit und Weltoffenheit!
  • Gehen wir mit der FDP zurück zum blinden Glauben an die Märkte, was uns die Finanzkrise und teure Bankenrettungen eingebracht hat? Oder setzen wir mutige Rahmenbedingungen für eine ökologische und soziale Gesellschaft, in der wir Klima, Natur und Artenvielfalt erhalten und in der alle Menschen egal welcher sozialen Herkunft gleiche Chancen haben, aus ihrem Leben etwas zu machen!
  • Setzen wir wie die Linke auf große Versprechungen von Umverteilung, die aber am Ende nur in der Opposition eine Rolle am Rande spielen? Oder setzen wir auf viele ganz praktische Verbesserungen in einer künftigen Bundesregierung?

Mit uns Grünen wird es eine Regierung geben, die die richtigen Schritte zur Rettung des Klimas geht, die Fluchtursachen bekämpft und nicht Flüchtlinge, die allen Menschen gleiche Chancen bietet, die auf ein starkes solidarisches Europa setzt und die die Werte unserer Zivilisation wie Humanität, Gleichberechtigung und Weltoffenheit erhält. In dieser Kombination finden Sie diese Werte und Themen nur bei uns. Wir sind bereit, die nötigen mutigen Schritte zu gehen. Nicht spalten, sondern zusammenhalten. Nicht miesmachen, sondern Mut machen. Darauf kommt es an in den nächsten Jahren und deswegen bitte ich Sie ganz persönlich am Sonntag um die Zweitstimme für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Aber auf alle Fälle, ganz wichtig: Gehen Sie wählen! Und wählen Sie demokratische Parteien. Damit die Feinde der Demokratie am Ende keinen Erfolg haben!

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